Leistung - das habe ich als 16-Jähriger von der schönen Physiklehrerin gelernt - ist Kraft mal Weg durch Zeit: K x s : t. Das alles ist messbar: der Kraftaufwand, die Wegstrecke und die Zeit. Messbarkeit hat uns geprägt und ist für viele das Einzige, was zählt: Der Umsatz, die Menge, der Gewinn... . Schade eigentlich, denn das Nichtmessbare ist ebenfalls Realität und eigentlich viel eindrücklicher und oft entscheidender: Die Liebe, das Wohlfühlen, der Frieden, das Schöne aber auch die Einsamkeit, die Trauer... Dazu eine Geschichte: In einem heissn Sommer, vor vielen Jahren, unternahmen wir eine Wanderung in den Grand Canyon. Vom South-Rim über den "Indian Garden" ganz hinunter bis zum Colorado River und zur Phantom Ranch. Gerne habe ich dann vielen Leuten erzählt, dass ich im Sommer im Grand Canyon unten war. "Wie lang hast Du gebraucht?" fragte mich jeder, wirklich jeder, ganz spontan. "Zwei Tage", antwortete ich, "wir haben unten übernachtet."...
Zwei Dinge seien schon mal vorweggenommen: Ich mag viele Macken haben, aber ein Angstneurotiker bin ich definitiv nicht! Ich trage die Gesichtsmaske – selbstverständlich! Jedoch lehne ich mich dagegen auf, dass mein Blick bei der Begegnung mit anderen Menschen unwillkürlich zum Boden hingleitet, nur weil dieser eine Gesichtsmaske trägt. Zudem weigere ich mich, andere Menschen als potenzielle Gefährder, Überträger des Virus’ und damit als Feinde zu betrachten. Denn das sind Impulse die ich bei mir entdeckt habe und die ich nicht akzeptieren will. Als aufmerksamer Mensch mache ich mir natürlich Gedanken darüber, dass möglicherweise andere ganz ähnliche Abgrenzungsimpulse haben. Wenn das denn so wäre, hätte das Auswirkungen auf unser gesellschaftliches Zusammensein, deren Chancen und Gefahren ich noch nicht abzuschätzen vermag. Für mich ist jedoch klar: Ich mache da nicht mit, weil ich mit den anderen Lebewesen verbunden bin.
Heute fand ich im Briefkasten einen Briefumschlag auf dem sich links oben eine Pfadfinderlilie auf grünem und ein dreiblättriges Kleeblatt auf blauem Hintergrund befand. Schweizerische PfadfinderInnenbund hiess der Absender; nichts Weltbewegendes. Doch die «Pfadililie» - in der Schweiz werden männliche Pfadfinder «Pfadi» genannt - löste in mir Erinnerungen aus, an Kolleginnen und Kollegen mit denen ich Erlebnisse teilen durfte und Dankbarkeit für diese schöne, lehrreiche Zeit. Weiter kamen mir Geschichten in den Sinn, ganze - manchmal auch nicht ganz stubenreine - Liedtexte und unvergessliche Rituale, die mir ein Schmunzeln entlockten, besonders die eine unglaubliche Zeremonie: In jedem Winterlager der Pfadis unseres Zuges, zwischen dem 26. Dezember und Anfang Januar, versammelten wir uns jeden Morgen, vor dem Frühstück, in Reih und Glied beim Fahnenmast. Einer von uns, der sich am Vortag besonders ausgezeichnet hatte, durfte die Fahne hissen, während ein anderer...
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