Heute fand ich im Briefkasten einen Briefumschlag auf dem sich links oben eine Pfadfinderlilie auf grünem und ein dreiblättriges Kleeblatt auf blauem Hintergrund befand. Schweizerische PfadfinderInnenbund hiess der Absender; nichts Weltbewegendes. Doch die «Pfadililie» - in der Schweiz werden männliche Pfadfinder «Pfadi» genannt - löste in mir Erinnerungen aus, an Kolleginnen und Kollegen mit denen ich Erlebnisse teilen durfte und Dankbarkeit für diese schöne, lehrreiche Zeit. Weiter kamen mir Geschichten in den Sinn, ganze - manchmal auch nicht ganz stubenreine - Liedtexte und unvergessliche Rituale, die mir ein Schmunzeln entlockten, besonders die eine unglaubliche Zeremonie: In jedem Winterlager der Pfadis unseres Zuges, zwischen dem 26. Dezember und Anfang Januar, versammelten wir uns jeden Morgen, vor dem Frühstück, in Reih und Glied beim Fahnenmast. Einer von uns, der sich am Vortag besonders ausgezeichnet hatte, durfte die Fahne hissen, während ein anderer...
Leistung - das habe ich als 16-Jähriger von der schönen Physiklehrerin gelernt - ist Kraft mal Weg durch Zeit: K x s : t. Das alles ist messbar: der Kraftaufwand, die Wegstrecke und die Zeit. Messbarkeit hat uns geprägt und ist für viele das Einzige, was zählt: Der Umsatz, die Menge, der Gewinn... . Schade eigentlich, denn das Nichtmessbare ist ebenfalls Realität und eigentlich viel eindrücklicher und oft entscheidender: Die Liebe, das Wohlfühlen, der Frieden, das Schöne aber auch die Einsamkeit, die Trauer... Dazu eine Geschichte: In einem heissn Sommer, vor vielen Jahren, unternahmen wir eine Wanderung in den Grand Canyon. Vom South-Rim über den "Indian Garden" ganz hinunter bis zum Colorado River und zur Phantom Ranch. Gerne habe ich dann vielen Leuten erzählt, dass ich im Sommer im Grand Canyon unten war. "Wie lang hast Du gebraucht?" fragte mich jeder, wirklich jeder, ganz spontan. "Zwei Tage", antwortete ich, "wir haben unten übernachtet."...
Kein Stein ist wie der andere. Jeder ist einmalig – hat seine Besonderheiten. Die einen sind gross, die anderen klein, schwarz, braun, rötlich, gelb. Sie sind rund, kantig, edel, halbedel, unauffällig und ausergewöhnlich. Vom Zahn der Zeit sind sie geformt, geschliffen und verletzt. Durch die Launen der Natur, durch andere Steine oder Menschen sind sie gezeichnet. Spreche ich nun von Steinen oder von Menschen? Die meisten Steine lassen wir achtlos liegen, sie sind nichts Besonderes. Es gibt so viele. Spreche ich nun von Steinen oder von Menschen? Ein Stein ist nur ein Stein, weil er von Kräften zusammengehalten wird. Werden die Kräfte zerschlagen, gibt es das, was den Stein ausmachte nicht mehr. Der Stein ist mehr als die Summe seiner Moleküle. Spreche ich nun von Steinen oder von Menschen?
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